Sind „Go Sees“ noch zeitgemäß – Model Pool fragt Profis die es wissen!

Dass Models in Natura doch anders aussehen, als auf der Sedkarte, wissen Profis der Branche nur zu gut. In der Pre-E-Mail Ära haben Booker von ungeschminkten Models Fotos mit einer Sofortbild-Kamera gemacht und per Kurier dem interessierten Kunden geschickt. Polaroids hießen sie, und so heißen sie immer noch, obwohl meistens mit einer Profikamera oder im Notfall mit dem Smartphone aufgenommen.  Mit Hilfe von Polas können die Kunden schon mal ahnen, was sie am Shooting-Tag am Set erwartet.

Ein anderer Weg, die Qualität des Models ehrlich zu präsentieren, war und bleibt ein Go See. Wie der Name schon verrät, man geht (kommt) und sieht. Bei diesem spontanen Termin entscheidet der Kunde, ob das, was er gesehen hat,  ihm auch gefällt. Im Vergleich zu Castings und Fittings, die in der Regel in Bezug auf eine konkrete Anfrage stattfinden, sind Go Sees nur eine unverbindliche Bekanntschaft. Eine zufällige Begegnung, der vielleicht ein Auftrag folgt. Oder auch nicht. Eine einmalige Chance für das Model, sich von der besten Seite zu verkaufen und einen potentiellen Auftraggeber für sich zu gewinnen.

Ein Go See kann nur ein paar Minuten dauern, in dem der Fotograf rasch das Buch durchblättert und sich mehr oder weniger höflich verabschiedet. Es kann auch zu einem netten Gespräch über 1-2 Tassen Kaffee werden, bei dem jedes Bild analysiert wird, Tipps zum Aufbau des Portfolios gegeben und Polas  für das Archiv gemacht werden. So ein Termin könnte man als gelungen einschätzen, denn das Model hat eindeutig das Interesse des Kunden geweckt, so dass er sie in der Zukunft buchen oder zumindest empfehlen kann.

Bevor es noch keine Tausend Möglichkeiten gab, das Model schnell und umfangreich dem Fotografen, Hersteller oder der Werbeagentur zu  zeigen, waren Go Sees sehr populär. Die wurden im Voraus geplant oder auch spontan vereinbart. Models aus dem Ausland hatten an einem Tag in der neuen Stadt bis zu 15 Termine, bei denen sie sich selbst und ihr Buch in Studios und Agenturen vorgestellt haben. Jetzt gibt es viele andere Wege, das Model an den Kunden zu bringen: frische Tages-Polas, E-Casting, Videos, Skype – alles aktuell & blitzschnell, wenn es brennt. Was meistens auch der Fall ist. Sind Go Sees nun out?

Model Pool International Model Management hat Fotografen, Art-Buyer & Photoagenten folgende Fragen gestellt:

Machen Go Sees in der Ära von E-Mails, Skype, Video-Castings noch Sinn?
Ist die persönliche Chemie zwischen Kunden und Model beim Treffen wichtig?

Diese unterschiedlichen und interessanten Antworten haben wir erhalten:

TOBIAS BOSCH, Inhaber Tobias Bosch Fotomanagement www.tobiasbosch.com

Tobias Bosch

Ob Go Sees für Fotografen noch Sinn machen, müssten diese selbst beantworten. Meiner Erfahrung nach nehmen sich die wenigsten noch die Zeit dafür. Für Modeproduktionen macht es durchaus Sinn, wenn ein Model persönlich überzeugt. Dann merkt sich der Fotograf dieses für seine nächste Strecke. Bei Commercials ist das Online-Casting meist so weit gefächert, das einzelne Castings und Go Sees nicht ausreichen. Zur Frage, ob die Chemie zwischen dem Fotografen und dem Model stimmen sollte,  meine Gegenfrage: warum sollte die Chemie wichtig sein, wenn das Model einen super Job macht und die Ergebnisse gut sind? Professionalität ist für mich hier wichtiger als persönliche Sympathie auch wenn das vielleicht das „Tüpfelchen auf dem i“ ist.

TANJA VALÉRIEN-GLOWACZ, Inhaberin und Creative Direktor Valérien Werbeagentur  www.valerien-werbung.com

Tanja Valérien-Glowazc

Go Sees sind für mich unerlässlich, denn nur im persönlichen Kontakt spüre ich den Charakter der Models. Deren Aura ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Die persönliche Chemie ist für mich sehr entscheidend, denn nicht allein das Aussehen ist auf den Fotos wichtig. Man spürt immer durch das Bild auch die Stimmung des Models und die Stimmung am Set.

STEFAN IMIELSKI, Mode-Fotograf www.stefan-imielski.com

Stefan Imielski

Klar machen Go Sees Sinn – manchmal ist man positiv überrascht, manchmal negativ. Fotos sind oft sehr bearbeitet und deshalb ist es immer besser die Models live zu sehen.

Ja, die Chemie ist auch sehr wichtig. Positive Ausstrahlung mit einem natürlichen Look und guten Bildern ist die halbe Miete.

TANJA EDELMANN, Creative Direktor bei B + D Agenturgruppe www.bplusd.de

Go Sees sind für uns auch in den digitalen Zeiten noch sinnvoll, da wir z. B. recht viel für den Haarkosmetik-Sektor arbeiten und da der „Griff in die Haare“ noch wichtig ist, um die Haarqualität besser einschätzen zu können. Auch ein persönlicher Eindruck vom Temperament des Models und der Chemie zwischen uns, hilft auf jeden Fall besser einschätzen zu können, ob das Shooting ein Erfolg wird. Natürlich kann man das auch mit Live-Castings lösen, das ist nur natürlich nicht immer möglich (z. B. aus Zeit- oder Budget-Gründen) und dann ist es doch schön, schon Models persönlich kennengelernt zu haben, die man guten Gewissens dahingehend empfehlen kann.

FRIEDERIKE NÄSCHER, Inhaberin und Creative Director Näscher & Näscher Werbeagentur www.naescher-naescher.com

Frederike

Trotz der Möglichkeiten des digitalen Castings nehme ich gern Go Sees in Anspruch. Dort spürt man über die Optik hinausgehende Skills wie Temperament, Ausstrahlung, Charakter und Umgangsformen.

Auch unsere Kunden begrüßen es, wenn sich vor der Auswahl eines Models die Chance eines Go Sees bzw. eines Fittings ergibt. Vielen ist die „Chemie“ wichtig, die sich ja mit auf die Atmosphäre beim Shooting auswirkt.

CARINA JAHN, Beauty-and Fashion Photographer www.carina-jahn.com

Carina Jahn

Ich möchte vorab immer frische Polas sehen. Gute Snapshots sind Gold wert. Sie erzählen dem Fotografen viel mehr, als die retuschierten Fotos auf der Sedkarte und im Modelbuch, auf welchen die Models manchmal grade zu entstellt sind. Ich fordere bei den Modelagenturen immer Polas an, da ich die Mädchen darauf genau beurteilen kann: Haut, Gesicht, Haare. Wenn das Model mir gefällt und grade vor Ort ist, nehme ich mir gerne die Zeit, sie in Natura zu sehen – wenn nichts Wichtigeres ansteht. Grade für Beautyaufnahmen kann es von Vorteil sein, die Models live zu treffen.

Die persönliche Ausstrahlung ist natürlich wichtig, aber meiner Meinung nach kann man bei einem kurzen Go See nicht feststellen, ob die Chemie tatsächlich stimmt. Zum Glück wurde ich während Produktionen so gut wie nie von den Models enttäuscht.

BEATE HANSEN GODRY , Fashion Photographer  www.beatehansen.de

beate hansen

Da wir Profis sind, auch im Beurteilen von Models, kann man gut per Portfolio, Polas und Videos eine Entscheidung treffen. Ein Mädchen life sehen zu können, ist natürlich unschlagbar – aber leider ja nicht immer möglich.
Ich finde go-sees dann sinnvoll, wenn man Models zu sehen bekommt, die auf das Fotografenprofil passen – da man sich ansonsten beiderseitig die Zeit sparen kann.

Der #blogpost wurde verfasst von unserer Head Bookerin Anna.

 

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