SEDKARTEN – Geschichte & Trends

Die Sedkarte ist ganz klar das wichtigste Arbeitsinstrument einer Modelagentur. In den 60-er Jahren von dem deutschen Drucker Sebastian Sed erfunden, ist die Sedkarte die Visitenkarte eines Models. Sed gründete Mitte der 60’er  die Agentur Parker-Sed zusammen mit dem ehemaligen Topmodel Dorothee Parker. Nach knapp 20 Jahren ging Sed zwar mit seiner Agentur bankrott, aber ohne den von ihm eingeführten Sedkarten ist das Modelbusiness bis heute undenkbar. Die nach dem Deutschen genannte Erfindung kam bei Modelagenten weltweit super an und standardisierte von da an die internationale Präsentation der Models. In dem US-Raum werden die Sedkarten auch Composites genannt.

Bei der Gestaltung der Sedkaren gibt es auch Trends. In den 90-er Jahren hat man Sedkarten in teurem Offset-Ausführung gedruckt. Damit es günstiger wurde, haben die Models 500 oder sogar 1000 Sedkarten bestellt. Das kostete bis zu 700 DM, damals eine Halbtagesgage eines durchschnittlichen Profimodels. Besonders teuer waren die trendigen doppelseitigen Karten, mit einem Titel vorne, bis zu 8 Fotos innen und einem Bild hinten. Wahrscheinlich aus Kostengründen hat dieser Trend aber nicht lange gehalten.

Die deutschen Sedkarten hatten immer mehr Fotos drauf, als die in Paris oder Mailand. Während die nationalen Kunden am liebsten das halbe Buch auf der Sedkarte sehen wollten, waren die italienischen oder französischen Composites eher coole Imageträger mit nur einem Bild vorne und einem hinten.

Revolutionär war die Einführung des günstigen Digitaldrucks, der es Agenturen ermöglichte, Sedkarten in kleinen Auflagen für viel weniger Geld zu drucken. Endlich war eine häufige Aktualisierung der Sedkarten möglich. Auch für die Vermarktung der New Faces waren die zwar dünnen und wackeligen, dafür billigen Digitalkarten perfekt geeignet.

Die wichtigste Ausstattung jeder Agentur war natürlich die Sedkarten-Wand, die reihenweise Male und Female Models präsentierte. Die Booker mussten den Models regelmäßig nachtelefonieren, denn ohne Sedkarten war es nicht möglich, die Jungs und Mädels an den Kunden zu bringen. Dicke Pakete mit einem „Gesamtangebot“ wurden von Boten täglich zur Post gebracht, um an die Kunden geliefert zu werden. Nach der Anfrage am Telefon mussten die Kunden geduldig warten, bis die Deutsche Post die Vorschläge der Agentur lieferte. In besonders eiligen Fällen wurden die Composites per Fahrradkurier oder Overnight Kurierservice geliefert.

Klassische Sedkartenwand

Die Verbreitung der E-Mails erleichterte die Arbeit für alle, Booker sowie Kunden. Ein Klick – und man versendet nicht nur die Sedkarten, sondern die kompletten Portfolios und frische Polas. Für die Agenturen ist es nicht mehr notwendig, gedruckte Sedkarten vorrätig zu haben –  alles ist digitalisiert. Gedruckte Sedkarten brauchen die Models eigentlich nur noch für Go Sees, um den Fotografen eine Erinnerung da zu lassen. Fotografen und Werber speichern die Sedkarten sowieso lieber online, um Platz im Büro zu sparen.

Doch auch wenn sie jetzt auf dem Bildschirm angesehen und nicht in die Hand genommen werden, bleiben die Sedkarten enorm wichtig. Denn diese Fotovisitenkarten sorgen nach wie vor dafür, dass die Models gebucht werden. Im Idealfall soll eine Sedkarte alle Facetten des Models zeigen: Haut-und Haarqualität, Figur, Beine, Posing, Ausstrahlung, Wandelbarkeit, Lachen, Coolness und noch vieles mehr. Oft schaffen die klassischen fünf Fotos, die auf den Sedkarten zu sehen sind, es nicht, jeden Kunden von dem Model zu überzeugen. Die Modehersteller möchten die Passform der Outfits sehen, die Beauty-Fotografen am liebsten nicht retuschierte Close-Ups, Art-Direktoren der Werbeagenturen suchen nach natürlichen, nicht gestellten Real-Life Fotos. Alle zufrieden zu stellen – beinahe unmöglich. Kleiner Geheim-Tipp für die Models: Kunden orientieren sich immer nach dem aus ihrer Sicht schwächsten Bild.

Um die Wünsche und Vorstellungen der Kunden zu erfahren und deren Erwartungen besser gerecht zu werden, hat Model Pool International Model Management eine große Umfrage zur Thema „Sedkarten“ durchgeführt. Bekannte Mode- und Beautyfotografen, Artdirektoren der führenden Werbeagenturen, Modelbooker von großen Fotostudios, Mode-und Kosmetikhersteller, Choreographen wurden Fragen zur optimalen Gestaltung von Composites gestellt. Insgesamt 58 Profis nahmen an der Umfrage der Düsseldorfer Modelagentur teil.  Die Ergebnisse fielen sehr interessant, obwohl auch nicht überraschend aus – die Zeiten ändern sich zwar, doch bestimmte Werte bleiben konstant, auch in so einem trendbewussten Geschäft, wie das Modelbusiness.

Tobias Bosch, Producer, Casting-Direktor, Inhaber der Fotorepräsentanz Tobias Bosch Management

„Für uns als werbelastige Kunden sind aktuelle, sehr natürliche Bilder wichtiger als Referenzen und Cover. Auch das Alter ist für Werbekunden oft wichtiger als für Fashionkunden daher gerne auch das Alter auf der Sedkarte. Eine gute Auflösung der Bilder und eine übersichtliche Typographie und keine riesigen Minibooks über 4MB.“

Laut der von Model Pool organisierten Umfrage möchten 99% der Kunden mehr als 2 Fotos auf der Sedkarte sehen. Absolut einstimmig entschieden alle Teilnehmer der Umfrage, dass eins der Fotos unbedingt ein Ganzkörperbild mit Beinen sein soll. Genauso einstimmig akzeptieren 100% der Kreativen keine stark retuschierten Fotos auf der Visitenkarte des Models. Kommerziell bleibt der deutsche Modelmarkt auch – 95% der Befragten war ein lachendes Bild auf der Sedkarte enorm wichtig.

Jacqueline Wardeski, Fotografin

„Ich finde Job Veröffentlichungen sind nicht unbedingt notwendig für die Sedcard, um sich ein Bild vom Model zu machen. Andererseits zeigen Jobfotos, dass ein Model gut arbeitet.“

Deutlich mehr als die Hälfte der Kunden gaben zu, dass sie Job-Veröffentlichungen und Editorials auf der Sedkarte sehen möchten. Nur dreien von den 58 Teilnehmer der Umfrage würde eine Sedkarte genügen, die auschließlich aus Polas besteht. 13 Befragten gaben zu, dass ein Link zum Portfolio die Sedkarte für sie ersetzen würde. Und nur 10 Teilnehmer möchten Wäschefotos auf der Sedkarte sehen, falls das Model generell nicht für Lingerie-Aufnahmen geeignet ist – das sorgt für unnötige Verwirrung.

Dominik Brands, Fotograf

„Ich finde es geht nichts über ein 20-30 sekundenlanges aktuelles Vorstellungs-Video. Ein Video sagt mehr als 1000 retuschierte Bilder. Klar sind die auch wichtig zu sehen, aber ohne Video oder Live Vorstellung gibt es bei mir keine Jobs. Die Zeit der. „Katze im Sack zu kaufen“. ist bei der heutigen Zeit wo jeder mal eben schnell von sich ein kurzes Video machen kann vorbei.“

In persönlichen Bemerkungen betonten die Kunden vor allem, wie wichtig es ist, dass alle Daten auf der Sedkarte aktuell und ehrlich sind. Viele würden gerne natürliche, wenig gestylte Fotos sehen. Ein Mega Trend sind Video-Sedkarten, die Kunden allerdings meistens erst dann anfordern, wenn sie die klassischen Sedkarten gesichtet haben.

Anna-Lena Holz, Fotografin

„Wichtig ist mir vor allem: Tageslichtfotos, da hier doch am wenigstens auch mit licht positiv geschummelt werden kann. Des Weiteren, bei Polas, dass die Haare nur getrocknet werden, denn das ist essentiell um feststellen zu können, wie gut und gepflegt die Haarstruktur ist.“

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